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  • Team Passion Fruit

Der “Orgasm Gap”: Eine weitere Ungleichheit zwischen Frauen und Männern

Aktualisiert: 29. Juni 2021

Der männliche Orgasmus ist nicht nur in Pornos oft das Endziel, das es zu erreichen gilt. Sobald Er dann kommt, ist die Action vorbei. Bei Frauen sieht das anders aus, denn auf ihren Höhepunkt wird oft nicht aktiv hingearbeitet. Das Schlagwort “Orgasm Gap” spielt auf diese Thematik an. Es beschreibt, dass es große Unterschiede in der Häufigkeit des männlichen und weiblichen Orgasmus während des heterosexuellen Sex gibt.



Die Fakten zum Orgasm Gap


Die Zahlen, die diesen Unterschied deutlich machen sollen, schwanken, dennoch lassen sich in diversen Statistiken immer klare Differenzen zwischen Männern und Frauen erkennen. Die Chapman-Studie aus dem Jahr 2018 beispielsweise liefert Daten zum “Orgasm Gap”. Sie besagt, dass 95 % der heterosexuellen Männer regelmäßig einen Orgasmus beim Sex haben, während ihn nur 65% der Frauen regelmäßig erleben. Bei homosexuellen (Sex-) Partner:innen sieht das übrigens anders aus. Mit dieser Tatsache haben sich unter anderem Frederick, John, Garcia und Lloyd in einer Studie aus dem Jahr 2018 beschäftigt. Sie schreiben in ihrem Bericht, dass 75% Prozent der lesbischen Frauen regelmäßig durch ihre Partnerinnen zum Orgasmus kommen.


Der Durex-Report aus den Niederlanden, der im Jahr 2017 veröffentlicht worden ist, beschäftigt sich ebenfalls mit dem “Orgasm Gap”. Hier haben 75% der befragten Frauen angegeben, keinen Orgasmus beim Sex mit ihren Partnern zu haben. Zum Vergleich haben dies nur 28% der befragten Männer so erlebt. Interessant ist, dass es die Mehrheit der Männer laut der Studie nicht als schlimm empfindet, wenn ihre Partnerin nicht kommt, sie es bei vertauschten Rollen allerdings anders bewerten. Denn 56% der Männer sagen, dass es sie stören würde keinen regelmäßigen Orgasmus zu erleben, während dies nur 25% der Frauen angeben. Warum ist das so? Haben sich Frauen daran gewöhnt seltener zum Orgasmus zu kommen und sich mit der Tatsache abgefunden?


Gründe für den Orgasm Gap und was man dagegen tun kann


Fakt ist: Der weibliche Orgasmus ist in der Gesellschaft weniger präsent. Dies spiegelt sich auch in teilweise mangelhaftem Wissen über die Klitoris wider. Beispielsweise, dass sie der Größe eines Penis eigentlich in nichts nachsteht. Auch die Diskussion über “vaginalen” und “klitoralen Orgasmus” ist hier zu nennen. Die Sexualtherapeutin Anja Drews findet dazu klare Worte:

“Der vaginale Orgasmus ist ein Mythos! Ein Hoch auf die Klitoris!”.

Sie spielt mit diesem Satz darauf an, dass jeder Orgasmus durch Stimulation der Klitoris ausgelöst wird. Viele Menschen wissen nicht, dass die Klitoris Schenkel hat, die sich bis ins Becken ziehen, weshalb der Irrglaube von einem vaginalen Orgasmus weiter Bestand hat.

Es gibt aber weitere Gründe, warum ein Orgasmus erschwert werden kann. Lisa spricht in einem “ze.tt”-Artikel davon, während dem Sex regelmäßig darüber nachgedacht zu haben, wie sie ihre Wohnung einrichten soll. Tatsächlich sind Frauen teilweise gedanklich blockiert und können sich beim Sex nicht genug entspannen. Darüber hinaus spielen noch weitere Faktoren eine Rolle, wenn es um Orgasmen geht, wie beispielsweise die Penislänge des Partners, oder die “Distanz” von Klitoris und Vagina, wie es die Frauenärztin Mandy Mangler im “Gyncast” beschreibt.

Es ist wichtig sich bewusst zu machen, dass die meisten Frauen nicht von reiner Penetration kommen können, sondern nur etwa 15%. Deshalb macht es keinen Sinn sich unter Druck zu setzen, weil man keinen Orgasmus “ohne Hilfe” bekommt. Um dem “Orgasm Gap” nun entgegenzuwirken ist es sinnvoll, die eigene Sexualität und individuellen Bedürfnisse besser kennenzulernen und diese im Anschluss klar zu kommunizieren. Hier können Toys eine Hilfe sein, die nicht nur beim “Solosex”, sondern auch gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin herangezogen werden können. Auch die eigenen Finger zu verwenden ist ein guter Tipp.


Mit diesem Wissen ist bereits der erste Schritt Richtung “Orgasm Equality” getan!


Bildquelle: Dainis Graveris über Pexels




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